Der Wielhof

Umbau und Sanierung

Tiefbohrungen für die Erdwärme - oder: Wie man einen Innenhof ruiniert ...

Im Anmarsch
Am 25.01.2012 steht die Bohrmaschine für die Tiefbohrungen vor dem Hoftor. Das tonnenschwere Kettenfahrzeug ist ein fahrendes Bohrgerät - das uns die nächsten Wochen im Hof Gesellschaft leisten wird. Ob dieses Ungetüm überhaupt durch das Hoftor passt klärt sich erst jetzt.
... wackelt und hat Luft
Seelenruhig wird das Bohrgerät durch die Hofeinfahrt manövriert. Wenig Platz bleibt rechts und links - jetzt heißt's: schön mittig bleiben und alle 5.423 Hebel und Ventile an dieser Maschine nicht unbedacht bedienen ...
In voller Pracht
Vor den Trümmern des Innenausbaus steht sie nun - die Maschine, die uns den Weg zur Erdwärme bahnen soll - senkrecht nach unten - 5 x 100 Meter in die Eingeweide der Voreifel. In 100m Tiefe herrschen konstant 12 Grad Celsius - damit kann man zwar nicht heizen, aber mit Hilfe einer Wärmepumpe kann daraus Heizenergie gewonnen werden.
Countdown für Bohrloch Alpha
Das erste Loch soll unmittelbar vor der ersten Papageienevoliere gebohrt werden. Die Maschine wird in Position gebracht - sehr zum Entsetzen der Volierenbewohner die mit dem tiefen Brummen des Dieselaggregats so ihre Probleme haben.
Mächtig hoch
Das Bohrgerät steht bereit zur ersten Bohrung - fixiert und verankert beginnt man bereits am ersten Tag mit dem Vortrieb der ersten Bohrung - bis auf ~20 m Tiefe - läuft super - nur Lehm, keine nennenswerten Gesteinsschichten. Sicherheitshalber hat man die Voliere "abgehängt" um die Fenster vor verdrecktem Bohrwasser zu schützen. Morgen geht's weiter - immer 3m pro Bohr-Gestängenelement ...
Wasserspiel
Bis bis zu 30bar Druck wird Wasser in das Bohrloch gepumpt um den dort entstehenden Abraum an die Oberfläche zu befördern. Während der Bohrkopf stetig drehend alle 3m eine "Nachlade-Pause" bekommt ist an der Oberfläche Fingerspitzengefühl und kontinuierliche Aufmerksamkeit gefragt. Immer noch Lehm - aktuelle Tiefe: 80m. Und wie immer im Leben - jetzt hakts! Bei ca. 80m Tiefe läuft der Vorschub nur noch millimeterweise- offensichtlich ist dort eine Kiesschicht ... diese Vermutung erhärtet sich bei jedem weiteren Bohrloch.
Durch!
Keine 2 Meter ist diese Kiesschicht stark, doch trotzdem hält diese Erd-Schicht die Bohrung jedesmal für fast eine Stunde auf. Vorsichtig aber bestimmt wird der Bohrkopf durch die Gesteinsschicht getrieben bis darunter - wieder im Lehm - die Vorschubgeschwindigkeit erhöht werden kann.
Bohrloch Nummer 3 wird vorbereitet
Während das Bohrgerät noch am zweiten Bohrloch ächzt wird das dritte Bohrloch vorbereitet. Der Hof war an der besagten Stelle mit zusammengemauerten Ziegeln versiegelt - eine unglaublich harte Deckschicht, wie sich herausstellt. Leider besagt die Wettervorhersage nichts Gutes - Strenger Frost steht ins Haus. Der Frost würde das Aus für die Bohrungen bedeuten, da das Wasser zur Spülung der Bohrung sofort an der Oberfläche einfrieren würde - die Pumpen hätten dann so ihre Schwierigkeiten ...
Kalt? Ja!
Ooops, wir hatten noch Wasser im Sauna-Eimer ... dieser Eimer stand zwar in einer Scheune, war aber bei andauernden Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt trotz Öl-Zusatz ordentlich durchgefroren. Der Wasser-Container im Hof sieht ähnlich aus ... 6 m³ Wasser - durchgefroren bis auf den Grund. An Bohren ist nicht zu denken
Widerstand
Das Grundwasser drückt die Sondenleitungen wieder nach oben - da hilf nur kräftiges "Dagegen-Stemmen", Erfahrung und gute Kondition. Dieses Ringen dauert manchmal bis zu 15 Minuten - Mensch gegen Natur - interessant und kräftezehrend. Sonde Nummer 4 wird 4 Männer benötigen um dann letztendlich versenkt zu werden.
Spitze des Eisbergs
Am Ende der Arbeit ragen gerade mal 70 cm der Sonde aus der Erde - der Rest taucht ab bis auf 100m. Durch diese Leitung wird später im laufenden Betrieb ein Kühlmittel gepumpt, dass sich in der Tiefe der Erde erwärmt - vom dieser Temperaturdifferenz und dem zwischen Vorlauf und Rücklauf "lebt" die Wärmepumpe.
Vor der Haustür
Die vierte Bohrung wird am 07.03.2012 in Angriff genommen - genau vor der Haustür. Die Pumpe läuft auf Hochtouren und keucht lautstark. Auch hier trifft man bei ~80m wieder auf die Kiesschicht die einem das Bohren vermiesen kann, aber auch hier wird der Durchbruch nach 1 Stunde beharrlichem Bohren geschafft.
Last but not least
Beim letzten Bohrloch angekommen treten leider technische Schwierigkeiten am Bohrkopf auf. Wieder und wieder werkelt sich die Dichtung aus der oberen Aufhängung und ein Dreck-Wasserfall ergießt sich auf die Beteiligten. Mit viel Sachverstand und ein wenig Gewalt wird dieses Problem dennoch gelöst - samstags, damit's zügig weiter gehen kann.
Nasse Angelegenheit
Das Bohrgerät setzt zum Endspurt an und versenkt das Bohrgestänge im fünften und letzten Loch mit aller Kraft. Spülwasser tritt aus allen Ritzen aus - die Dichtungen halten aber nun.
Adjeu Du Ungetüm!
Am 14. März 2012 verlässt das Bohrgerät zufrieden brummend nach getaner Arbeit unseren Hof. Ehrlich gesagt haben wir uns auf diesen Anblick gefreut - nach über 6 Wochen reicht's auch mal. Alle Löcher sind gebohrt - die Sonden wurden problemlos gesetzt, keine Kavernen oder unterirdischen Ausspülungen die eine "sauber" Einbringung der Erdsonden gestört hätten - alles gut und 5x100m Sonden warten auf ihren Anschluss.
Löcher zu! Gräben auf!
Die einzelnen Sonden in den Bohrlöchern müssen jetzt mit dem Soleverteiler verbunden werden - das bedeutet, dass der Hof noch weiter aufgegraben werden muss um die Verbindungsleitungen auf 1,4m Tiefe zu verlegen - Pflaster raus und mit dem Mini-Bagger ran.
Basalt-Pflaster
Der gepflasterte Hof wird in alle Richtungen aufgerissen und mit Gräben durchzogen um die Enden der Erdwärmesonden zu verbinden. Das Basalt-Pflaster wird sorgsam geborgen und für die anschließende Neu-Pflasterung gesammelt. Bei Regen ertrinkt der Hof in einer Dreckbrühe, die irgendwo einen Ablauf sucht - glücklicherweise hält das Wetter einigermaßen.
Schmal und tief
Die Verbindungsgräben werden nur 40cm breit und 1,40m tief gegraben - dort werden die Leitungen für Vor- und Rücklauf der Sole eingebracht und mit den Sonden verschweißt. Wer in diesen Gräben arbeitet muss sich schlank machen und die Werkzeuge VOR sich haben - umdrehen oder nach hinten greifen ist fast nicht möglich - gute Logistiker sind gefragt.
Bagger, Schubkarre, Schaufel ... und Dreck
Der Sonnenschein trügt - der Hof gleicht einer Erddeponie - kein schöner Anblick. Aber irgendwo muss der Aushub ja hin bevor er wieder in die Gräben geschaufelt wird. Alle geben ihr Bestes um dieses Chaos schnellstmöglich wieder zu beseitigen.
Ohne Worte ...
Alle Mitwirkenden haben stets auf die Unversehrtheit der Magnolie geachtet - auch wenn noch so dicht gebaggert wurde ist höchstens mal ein "Zweiglein" zum Opfer gefallen - der Baum hat das ganze Treiben unbeschadet überstanden.
Die letzten Meter
Schließlich kommen alle Verbindungsleitungen beim Soleverteiler in einer stillgelegten Sickergrube unter dem Windfang - auf Höhe des Kellers - an. Jetzt müssen nur noch die Leitungen angeschlossen werden und fertig ist die Einbringung der Erdwärmesonden. Der Anschluß an die Wärmepumpe ist schon vorbereitet - die Heizungsbauer machen dann den Rest.
Zurück bleibt ... ein verwüsteter Innenhof
Wir wussten von Anfang an, dass dieses Gewerk im Hof seine Spuren hinterlassen wird. Eigentlich ist alles glimpflich abgelaufen, doch beim Anblick des aufgerissenen Hofes blutet einem schon ein wenig das Herz. Wir werden schleunigst die Wiederherstellung des Ursprungszustands einleiten.