Der Wielhof

Umbau und Sanierung

Sanierung des Dachstuhls - vorher und nachher

Anbau
Anbau
Der Dachstuhl über dem Anbau sieht noch gut aus. Dieser Teil des Dachstuhl ist aus Nadelholz gefertigt - anders als der Rest des Dachstuhls der in Eiche gearbeitet ist.
Eiche
Eiche
Eichenbalken unterschiedlicher Stärke wurden hier in teilweise waghalsigen Konstruktionen aneinander genagelt um das Dach in Position zu halten. Einige der Balken sehen für den Laien bereits sehr angegriffen aus - dennoch ist die Stabilität kein Thema - Eiche hält auch noch nach 200 Jahren.
Giebel
Giebel
Die Giebelseite zur Germanenstraße ist - wie das Haupthaus insgesamt - in Fachwerkbauweise erstellt. Auch dieser Teil des Daches ist "mitgenommen" von Witterung und vom Zahn der Zeit.
Kamin
Kamin
Kamine gibt's hier genug - kein Wunder, denn das Dach ist nicht isoliert und das Haus hatte einen enormen Wärmebedarf. Im Rahmen der Sanierungsarbeiten wurden 3 Kamine entfernt.
Gefeuert
Gefeuert
Dieser Hauptkamin hat in den letzten Jahren Einiges ertragen müssen und "geschwitzt". Am unteren Ende dieses Kamins steht ein Ölbrenner, den wir möglichst lange in Betrieb halten werden - aktuell heizen wir damit die Vogelvolieren. Der Umbau muss also "um den Kamin herum" erfolgen - Dach abreißen und Kamin stehen lassen - keine leichte Aufgabe für unsere Handwerker.
Handwerk
Handwerk
Ehrfürchtig stehen wir vor über 200 Jahre alten Spuren der Handwerkskunst längt verstorbener Zimmerleute. Man stelle sich vor, Eichenbalken von Hand in Form zu bringen und dann millimetergenau mit Holznägeln zu verbinden - mit Handbohrern versteht sich. Einige dieser Balken werden wir ausbauen und in Reserve halten um Menschen, die ihre Fachwerkhäuser mit Originalmaterialien restaurieren wollen "unter die Arme" greifen zu können.
Gelitten
An einigen Balken ist die Zeit nicht spurlos vorüber gegangen. Holzwurm, Insekten, Witterung und sonstige Belastungen haben ihre Spuren hinterlassen - auch die Dachpfannen haben schon bessere Zeiten gesehen.
Schwund
Exemplarisch ein paar Balken - dieser hier hatte beim Einbau sicherlich noch etwas mehr Substanz.
Windschief
Nein, das Bild ist nicht ungeschickt aufgenommen - rechte Winkel sind hier nicht zu sehen. Die ganze Sache ist ein wenig aus dem Lot geraten und braucht eine Korrektur.
Firstpfette
Tja, anno 1800 hat man wohl die Notwendigkeit einer Firstpfette nicht ganz eingesehen - hier wurde das Dach primär auf den Sparren errichtet - Firstpfette? Fehlanzeige - dafür gibt's formschöne Eiche, fein gesägt und geschliffen
Beginn
Der Abriss des Dachstuhls beginnt mit der Entfernung der abgehängten Decken im Obergeschoss - Glaswolle, Heraklit, Spanplatten und diverses Dämm-Material muss entfernt und entsorgt werden- Darunter kommt die oberste Balkenlage zum Vorschein.
Überrschung 1 von ?
Aaah ja, hier war also mal ein Ofen am Kamin angeschlossen - der Kamin wurde notdürftig verschlossen und das Loch einfach verspachtelt und tapeziert. Tja, an Überraschungen mangelt's nicht.
Überraschung 2 von ?
Die Außenwand hatte offensichtlich ein paar Löcher. Wespen haben dies genutzt und sich ihr Nest zwischen die Balkenlage gebaut. Geschätzte Größe des Baus : 70x80cm und 20 cm hoch - glücklicherweise zum Zeitpunkt des Abbruchs unbewohnt.
Untermieter
Die Untermieter waren glücklicherweise schon ausgezogen und hatten ihren Bau besenrein hinterlassen - ein stattliches Gebilde war's aber schon.
Improvisation
In den Umbauphasen der letzten 200 Jahre hat man auch Fantasie bewiesen und teilweise undurchsichtige Konstruktionen aus Holz, Lehm und Stahlträgern eingebracht deren Sinn und Zweck sich dem geneigten Betrachter heute völlig entzieht. Ist aber auch egal - solange der Statiker keine tragende Funktion bescheinigt, wird dies alles dem Abriss zum Opfer fallen.
Erfindungsgeist
Ja, man KANN auch mal einen Stahlträger in einer Kaminwand auflegen - das KANN man schon mal machen - richtig ist aber anders. Der U-Träger umschließt übrigens einen maroden Holzbalken - DEN wollte man wohl nicht direkt in die Kaminwand einlegen - nachgedacht hat man demzufolge schon ...
Mode
Unter der abgehängten Decke erkennt man, dass alle Balken damals von Ihren Erbauern sorgsam mit Lehm und Stroh verkleidet wurden. Die so entstandene Kassetten-Decke wurde sorgsam in den Ecken "gerundet" verputzt und hellblau(!) - später dann aber weiß gestrichen. Die urspüngliche Deckenkonstruktion fiel aber wohl der Mode in den 50er und 60er Jahren zum Opfer. Wir werden diese Decken aber nicht restaurieren - die Raumhöhe beträgt hier nur knapp 2,10m und ist damit zu niedrig für die geplante Nutzung.
Holz arbeitet ...
Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass sich im Lauf der Jahre die ursprünglich eingemessenen Balken "ein wenig" in Ihrer Position verändert haben und eine eigenwillige neue Lage eingenommen haben - eine gerade Decke war wohl in der letzten Renovierung nur mit Tricks wieder herzustellen. (... man achte auch auf das schöne Hellblau der alten Kassetten-Decke)
Kopf einziehen
Von den ursprünglichen Erbauern wurde mittig im Raum ein gewaltiger Balken als sog. Unterzug eingebracht. Nachdem man sich wohl über Generationen daran den Kopf gestoßen hatte, entschied man sich den tragenden Balken zu entfernen und das Gewicht mit einer gewagten Stahlträgerkonstruktion auf dem Dachboden "von oben" abzufangen. Jeder Statiker hätte seine helle Freude an solchen Konstruktionen.
Bodenbelag
Der Bretter-Bodenbelag des Dachstuhls muss zuerst entfernt werden. ca. 130 m² Bretter werden einzeln von Hand entfernt und müssen entsorgt werden. Die Bretter eignen sich leider nicht als Brennholz, weil auch hier der Holzwurm schon massiv gewütet hat und einige Bretter mit verschiedenen Chemikalien behandelt wurden. Alles muss raus!
Unter den Brettern - Bretter!
Der Raum zwischen den einzelnen Balken der Balkenlage ist mit kleinen Brettern gefüllt auf die Lehm geschüttet wurde. Ja, auch schon vor Generationen wussten man Lehm für's Raumklima zu schätzen - oder man hatte einfach nichts anderes. Zum Abriss wird dieses Material einfach in die darunterliegenden Räume geworfen - die Zeit drängt ja schließlich. Kalendarisch steht der Winter vor der Tür - schlechter Zeitpunkt um ein Dach zu erneuern.
Holzhaufen
Das Holz wird entsorgt - der ortsansässige Entsorgungsbetrieb liefert nun schon Container auf Zuruf und öffnet sich bei Bedarf das verschlossene Hoftor selbst ...
Abgeräumt
Nachdem der Bodenbelag im Dachgeschoss entfernt wurde, geht's an den "Durchbruch". Ziel: die oberste Balkenlage muss frei sein, damit die Zimmerleute anfangen können - jetzt wird die Decke komplett entfernt.
Freie Sicht
So muss es aussehen - Freie Sicht vom Obergeschoss auf die Dachplatten. Von jetzt an pfeift der Wind auch durch die Räume des Wohnhauses.
Feinstaub
Wenn oben alles abgeräumt ist, sieht's d'runter nicht ansprechend aus. Der trockene Lehmstaub liegt hauchfein in der Luft und zentimeterdick auf dem Boden - gemischt mit allerlei anderen Baustoffen, die vor der Entsorgung noch feinsäuberlich getrennt werden müssen.
Lehm und Holz
Die Trennung der Baumaterialien spart Geld bei der Entsorgung - ist aber eine staubige Angelegenheit. Ein Dachboden ohne Bodenbelag birgt so seine Risiken - immer schön auf den Balken laufen - und dabei die herausstehenden Nägel meiden ...
Handgeschnitzt
Die Einlege-Latten zwischen den Balkenlagen sind alle vor 200 Jahren von Hand geschnitzt worden - wir werden diese ultra-trockenen Buchenhölzer einer letzten Verwendung im offenen Kamin zuführen.
3. November
Hier auf'm Land wird das Baumaterial mit dem Schlepper angeliefert - bei einer Balkenlänge von 15m gibt's dazu auch wenig Alternativen. Quizfrage: wie bekommt man die Balken in den Hof?
Nadelöhr
Bei einer Balkenlänge von 15m ist selbst das größte Hoftor ein Nadelöhr. Mit viel Erfindungsgeist und unerschütterlichem Willen - der nötigen Ruhe - und viel Muskelkraft werden die Balken in den Hof gewuchtet.
Fast drin
So, jetzt nachdem das Hoftor geschafft ist stellt sich die Frage: Wohin mit den Balken? Hier - mitten in der Einfahrt - können sie nicht liegen bleiben.
Balanceakt
Mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit werden die Balken in 15+ Zügen zentimetergenau "eingeparkt". Keine leichte Aufgabe, wenn der Balken links und rechts 7,50 m neben dem Stapler endet - und das ganze auf Kopfsteinpflaster gemacht werden muss.
Zupacken
Manchmal geht's von Hand schneller als mit dem Stapler und fordert die Zimmerleute doch mächtig. Es geht eben nicht's über Muskelkraft in solchen Fällen.
Paket
Die Balken hier sind bereits zentimetergenau zugeschnitten, durchnummeriert und warten auf ihre Errichtung. Der alte Dachstuhl steht aber noch - das wird sich aber bald ändern.
Warten ...
Das Material für die Unterkonstruktion des Dachstuhls wäre also schon mal im Hof - jetzt heißt's warten auf den Trupp, der den alten Dachstuhl fachgerecht abdeckt, abbaut und zerlegt.
Radau
In den Morgenstunden des 8. November 2011 schepperts gewaltig im Hof. Die Dachdecker und Zimmerleute rücken dem alten Dachstuhl auf die Pelle. Die Dachziegel verabschieden sich lautstark in den bereitstehenden Anhänger - einzeln ... Nach wenigen Stunden steht das Haupthaus ohne Ziegel da. Jetzt muss das Wetter die nächsten Tage mitmachen - das gesamte Gebäude ist nun der Witterung schutzlos ausgeliefert.
Oben Ohne
Anscheinend geht die Entfernung eines Daches wesentlich schneller als die Neuerrichtung. Nach wenigen Stunden ist vom alten Dach nur noch der kärgliche Rest zu sehen. Das Wetter ist zwar kühl, aber dennoch trocken - so könnt's klappen.
Teamarbeit
Zimmerleute und Dachdecker arbeiten Hand in Hand - und deswegen geht's auch mit rasanter Geschwindigkeit voran. Teilweise "turnen" bis zu 8 Fachleuite auf den Balken des Dachstuhls, entfernen Ziegel, Dachrinnen, Sparren und alles was dieses Haus in den letzten 200 Jahren vor Nässe, Wind und Schnee geschützt hat.
Ein Haus ohne Dach ist kein Haus
Beängstigender Anblick in den Abendstunden des 8. November - das Dach ist komplett entfernt - nur die oberste Balkenlage ist noch im Mauerwerk verankert. Jetzt heißt's Daumen drücken - ein Regenschauer kann das komplette Gebäude gefährlich angreifen - von der Sauerei mal ganz abgesehen ... Aber in der Voreifel regnet's im November nicht, oder?
Offen
Jetzt muss das Wetter wirklich mitmachen - die Wettervorhersage stimmt uns optimistisch. Dennoch muss man im November immer mit Überraschungen rechnen.
Neue Aussichten
Der Lichtpunkt der zwischen der obersten Balkenlage hindurch scheint ist übrigens der Mond im sternenklaren Himmel. Kurios ist es schon, in einem Haus ohne Dach herum zu laufen.
Chaos im OG
Weil der Abriss des Dachstuhls unter Zeitdruck stattfand, wurde das Abbruch-Material noch nicht vollständig aus der oberen Etage entfernt. Jetzt liegt der Lehm ca. 20 Zentimeter hoch in den Zimmern - wenn's jetzt regnet, ist nicht nur die dabei entstehende Schlammschlacht bedenklich, sondern auch die dadurch entstehende Last auf der Decke. Das Gewicht könnte so manchem Balken der Holzdecke schwer zu schaffen machen ...
Wetter gut, Alles gut
Im Sonnenlicht des Morgens wirk die Lage weniger bedrohlich - morgen soll das Dach geschlossen werden - zumindest wird die oberste Geschossdecke eingebracht.
11.11.
Am Elften im Elften wird auch im Rheinland gearbeitet - die Zimmerleute verschließen die oberste Geschoßdecke - wieder bei bestem Wetter.
Maßarbeit
Trotz alle Bemühungen lässt sich auf diesem Haus kein rechter Winkel erzielen. Daher ist hier Präzision gefragt - viele Platten müssen zentimetergenau eingemessen und zugeschnitten werden - Routinearbeit für die Zimmerleute.
Fläche
Die gewaltige Fläche des Dachstuhls wird erkennbar - Quadratmeter für Quadratmeter wird sorgsam verschlossen.
Wochenende
Am Freitagabend wird provisorisch eine Plane über die Dachfläche gelegt - für den Fall, dass sich der Wetterbericht täuscht und eben doch Niederschläge überraschend vorbei schaue(r)n.
Schweres Gerät
Um die Balken der Dachkonstruktion in die richtige Höhe zu bringen braucht's schweres Gerät - einen Kran zu verwenden wurde kurz diskutiert, dann aber wieder verworfen. Den Kran in den Innenhof zu bringen wäre vermutlich am engen Hoftor gescheitert.
Maximum
Der XXL-Gabelstapler erreicht die erforderliche Hubhöhe nicht ganz - mit ein paar Paletten unter den Balken wird die Höhe der Dachkante dann aber doch erreicht. Geht nich' gibt's nich'!
Anfang
Aller Anfang ist schwer - so auch hier. Da man aber irgendwo anfangen muss, hat man sich für die äußerste rechte Ecke entschieden. Natürlich ist an diesem mehrfach um-/angebauten Haus fast nirgendwo ein rechter Winkel zu finden ...
Konturen
Bereits am frühen Nachmittag ist der neue Dachstuhl schon als solcher zu erkennen. Bei strahlend blauen Himmel - fast windstill, aber dennoch frisch - geht's weiter an die Feinheiten.
Winkel
Was von Weitem so einfach aussieht, erweist sich bei näherem Hinsehen als knifflige Aufgabe. Der Anbau wurde natürlich in einem undefinierbaren Winkel an das Haupthaus angeschlossen - das soll aber im Dach kaschiert werden. Die Ecke zum Hof gestaltet sich als echte Herausforderung.
Rastlos
Ohne Pause werden Balken ausgerichtet und mit gezielten Hammerschlägen für die nächsten Jahrzehnte fixiert. Kleines Team hohe Effizienz.
Perspektive
Sauber ausgerichtete Balken haben auch eine ästhetische Komponente - man kann so ein Balken-Gerippe schon auch schön finden ... das passiert wohl nur, wenn's das eigene Dach ist.
Gefühl
Der heikelste Balken ist zur Chefsache geworden - dafür muss man sich ein wenig Zet lassen, wenn man sich den Rest des Tages nicht ärgern will. Mit Gefühl, Zielstrebigkeit, der notwendigen Erfahrung, ein wenig Improvisation und kleineren "Bei-Arbeiten" liegt auch dieser Balken präzise.
Gewalt
Im Handwerk kann man vieles mit Köpfchen machen - manchmal braucht's aber auch wohl dosierte Gewalt um die Sache zu Ende zu bringen. Kraftvolle Schläge geben deutlich zu verstehen, dass sich der Meister sicher ist und diesen Nagel nicht mehr korrigieren muss.
Duft
Holz riecht herrlich, wenn's gerade geschnitten und verarbeitet wird - schöner als jeder Neuwagen. Der Geruch von Kettensägen-Abgasen mischt sich mit dem Duft des Holzes - das Holz überwiegt.
Geschlossen
Am nächsten Tag haben die Dachdecker bereits die Folienbahnen aufgebracht und die Lattung vorbereitet - wenige Stunden später liegen schon die Dachziegel in Position. Dachrinnen und Firstziegel werden angebracht und fertig ist das Dach.